Freitag, 20. Februar 2009

Learning from Sim City














Learning From Sim City
by Stephan Doesinger
Buch, Softcover, 152 Seiten, deutsch / englisch, 200 x 265,


Die Welt ist ein Computerspiel
und dein Herz
schlägt wie ein Popcorn.

The world is a computer game
and your heart
beats like a popcorn.


Hier der Text aus der Pressemitteilung:

Learning From Sim City beschreibt eine neue Sensibilität - eine Veränderung des Codes der Wahrnehmung, hervorgerufen durch Computerspiele und die tägliche Anwendung digitaler Medien.

Das Buch beschreibt auf poetische und assoziative Weise die ästhetischen und kulturellen Konsequenzen eines Prozesses, in dem Computerspiele nicht mehr nur die Welt nachahmen, sondern eine Umkehrung stattgefunden hat.
Zwischen den Fronten des globalen Kulturkampfes zwischen Fanatismus und „Funatismus”, verläuft eine schmale Demarkationslinie. Es ist eine seltsame Linie. Sie ist in ständiger Bewegung und Veränderung: Mal wird sie breiter, mal schmaler, mal weicher, mal härter, mal unscharf, mal klar, mal wird sie farbig mal unsichtbar. Geschossen wird von überall - und die Abgründe auf beiden Seiten sind schrecklich tief. Entlang dieser Linie verläuft die Reise von Stephan Doesinger. Diese Reise führt uns an zahlreiche, reale und imaginäre Orte und zu interessanten Begegnungen:

In Los Angeles fährt er mitten in der Nacht entlang einer Erdbebenlinie zu jener Straßenkreuzung Florence und Normandie an der die Riots 1992 ausbrachen. In München bricht er durch den doppelten Boden eines Computerspiels. Dabei entdeckt er den Königsplatz, der unter der Nazi-Diktatur als Acropolis Germaniae zu trauriger Berühmtheit kam und auf dem die Bücher von Freud, Zweig, Werfel, Mann, Kafka, Tucholsky und vielen mehr verbrannt wurden. Dort entsteht eine Bibliothek der verbrannten Bücher, die selbstverständlich nie gebaut werden wird. In Las Vegas belauscht er Tarkovsky und Schönberg in einem Diner just zu dem Zeitpunkt als die untergehende Sonne und das erstarkende, elektrische Licht ein Equilibrium bilden. In China sorgen Städte, die auf Basis der U-Bahn Pläne von London, Paris und Wien errichtet wurden, für Verwirrung. In Saloniki stellt er ein Fußballteam aus streunenden Hunden zusammen. In New York trifft er auf einen Mann der nach einem erfolgreichen Gen-Experiment, in dem es darum ging, den Schaf auszulöschen, nicht mehr vergessen kann...
Zahlreiche Arbeiten aus den letzten Jahren tauchen als Teil eines Prozesses auf, in denen selbst das Bild eines masturbierenden Mädchens zu einer räumlichen Karte wird. Begriffe wie „Innen und Außen” werden durch die Prozesse „Anziehung und Abstoßung” ersetzt.
Lässt man sich von Walter Benjamins Schildkröte an der Leine durch diesen Raum führen, erfährt man auch die Bedeutung des Begriffs „Fortschritt” - unabhängig davon, ob man das Kunst, Film, Architektur oder einfach nur das Leben nennt.



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Dienstag, 3. Februar 2009

"Cinematic Architecture" Session in Briey









I just came back from a session with Pascal Schöning, Julian Löffler and Rubens Azevedo at Le Corbusiers´ Cité Radieuse in Briey. As I am now also comissioned by the Architectural Association to design the book "Cinematic Architecture" we spent a weekend editing this book (see previous post). The photo shows a small painting by Pascals close friend Peter Doig who made several paintings from the Cité Radieuse. The book is the second part of a trilogy. The first book was Pascals´ "Manifesto of Cinematic Architecture", which can be bought here. The book will feature texts from Jean Attali, Mike Weinstock, Mark Cousins, Ron Kenley, Peter Carl and many more, also texts from former teachers at Diploma Unit 3 at the AA. Since I was teaching there 13 years ago I am now writing a text on "presence". Here is small part of it in German which I might also use for another book "art in public space", which I am currently preparing:

...weil man, im Sinne Freuds, sich nur das, was nicht da ist, vorstellen kann, funktioniert die Anwesenheit der Bild- und Tongebenden Medien wie eine Wand vor der physischen Welt. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um das Pantheon oder um eine Tankstelle handelt. Sie überdeckt alle Spuren unserer Vorfahren. Diese Wand sorgt für eine große Verunsicherung, denn vor diesem Hintergrund können wir nicht mehr länger unsere historischen Städte mit ihren alten Fassaden als die Träger unserer kulturellen Identität betrachten. Nur schwer lassen sich die Folgen für einen der größten kulturellen Paradigmenwechsel mit Kunst kaschieren. Denn auch die Kunst, als Special Interest Programm der Medien, ist ein mediales Anwesenheitsritual, das kein Licht hinter diese Wand bringen kann, weil sie nur eine weitere Affirmation der Abwesenheit darstellt. Die Abwesenheit der physischen Anwesenheit wird durch die Medien zum Konsens der Masse.

In Steven Kings Geschichte, die von der nächtlichen Flugreise in einem vollbesetzten Jumbo erzählt, ist ein reisender Mann nach einem kleinen Nickerchen mit der seltsamen Tatsache konfrontiert, daß die Hälfte der zuvor anwesenden Menschen nicht mehr da sind. Nur jene, die, wie er, schlafen, oder geschlafen haben sind noch da. Wer häufig in deutschen ICE Zügen sitzt, kennt dieses Gefühl, denn fast jeder Mitreisende versetzt sich mit World of Warcraft, Computer, I-Pod und Telefon in eine Welt der Abwesenheit, die keine physischen Widerstände kennt. Wir scheinen uns an die Abwesenheit der Anwesenheit zu gewöhnen.

Anders hingegen ist der Begriff der Anwesenheit der Abwesenheit zu verstehen. Sie hat mit der Erinnerung an jene zu tun, die nicht mehr da sind, weil sie starben oder fliehen mußten. Die Anwesenheit der Abwesenheit ist eine Sehnsucht nach physischer Präsenz. Die Anwesenheit der Abwesenheit im Gegensatz zur Abwesenheit der Anwesenheit keine Flucht vor der physischen Wirklichkeit, sondern das Gegenteil. Die Anwesenheit der Abwesenheit ist immer damit beschäftigt physische Ort mit wirklichen Menschen zu suchen. Eine solche Suche beschreibt die Arbeitsweise von Daniel Libeskind oder von Wim Wenders...


If you have any suggestions, drop me a line!